Dieser Frühlingsbeginn geht ins Ohr

Hallo, meine fleißigen Leser, heute gibt es mal wieder ein kurzes Update zu dem, was in letzter Zeit so passiert ist.

Ich wollte euch ja noch unbedingt ein paar Fotos von dem Ausflug nach Gărâna (sprich: Gerüna) zeigen, damit fange ich gleich mal an. Es war an einem sonnigen Samstagnachmittag, ich saß nichtsahnend in meinem Zimmer und klimperte an der Ukulele herum, da erhielt ich einen Anruf von der Kinderhilfe-Truppe: „Nina! Willst du mit nach Gărâna? Dann komm runter. Wir fahren in fünf Minuten los.“ Ich hab mich also blitzschnell warm eingepackt, bin nach unten gesaust, und dann saßen wir auch schon im Bulli und brausten aus Caransebeș heraus. Ein kleines Dankeschön für das fleißige Saubermachen in den Räumlichkeiten und für die guten Noten sollte der Ausflug sein, und weil nur zwei Jugendliche dabei waren, war für mich Platz im Auto. Was für ein Glück!

Gărâna, oder Wolfsberg, wie die Stadt ursprünglich mal hieß, liegt ganz idyllisch im Semenic-Gebirge und wurde achtzehnhundertpiependeckel von deutschen Siedlern gegründet. Von den ehemals 1.000 Einwohnern sind heute nur noch etwa 70 übrig, was unter anderem damit zusammenhängt, dass nach dem Sturz der kommunistischen Regierung 1989 fast alle deutschen Bewohner ausreisten. Das Dorf dient heute hauptsächlich als Ferienort für die reicheren Rumänen (und im Sommer übrigens auch als Veranstaltungsort für ein weithin bekanntes Jazz-Festival). Und so war es nicht verwunderlich, dass an einem so schönen Tag am Wochenende bei herrlichstem Schnee ordentlich was los war auf den Straßen von Wolfsberg.

Wir aßen einen heißen Apfelstrudel mit Vanillecreme (manche Banater Köstlichkeiten sind aufgrund ihrer Wurzeln irgendwie schon kleine Heimatboten), machten einen Spaziergang im Schnee, und dann wurde mir noch das Heimatmuseum vorgeführt, das in einem richtig alten Haus mit Scheune untergebracht ist und mir von dem Wirt der Gastwirtschaft, die dazu gehört, voller Stolz extra aufgeschlossen wurde. Dabei lernte ich so einiges über das ländliche Leben früher, zum Beispiel dass die Weizentruhe mehrere Fächer hatte, für Mensch und Tier, oder das jede Ortschaft seine ganz eigene Tracht hatte, oder wie mit einem Bank-ähnlichen Möbelstück wenn Besuch kam ein paar Zentimeter mehr ans Bett geschummelt wurden, um Platz für die Schlafgäste zu schaffen. Daneben habe ich mich noch mit dem Hund des Gastwirts angefreundet, der mir zum Schluss gar nicht mehr von der Seite weichen wollte, und konnte bestaunen wie der Mond über den Bergen aufging. Ein richtig toller Ausflug also!

Na? Wer kann den Mond erspähen? (In echt sah er allerdings viel größer und beeindruckender aus.)
Ein wunderschönes Ende für einen tollen Tag!

Gut gefallen hat mir auch die Karnevalsfeierei im Kindergarten – und wer weiß, dass ich eigentlich ein absoluter Karnevalsmuffel bin, der versteht, dass das wirklich was bedeutet wenn ich das sage. Für unsere Krümel habe ich mich sogar selbst ins Kostüm geschwungen – einmal war ich eine Squaw (die Kleinen waren ganz fasziniert davon, dass meine Haare plötzlich dunkel waren) und, sehr zur Belustigung der Kinder, das andere Mal als bärtiger Pirat. Ja, richtig gelesen: Wir haben direkt zweimal Karneval gefeiert. An einem Freitag waren wir im deutschen Kindergarten zur Karnevalsfeier eingeladen. Ganz schön wuselig, wenn da auf einmal um die 40 Kinder plus etwa 10 Erwachsene in einem Raum rumturnen! Aber sie haben ganz begeistert mitgespielt und -getanzt, Popcorn gefuttert und Saft getrunken und gegenseitig ihre Kostüme bewundert. Schöner Bonus für mich: Wir haben ganz viel deutsche Kindergartenmusik gehört, und ich konnte bei jedem Hit von Rolf Zuckowski mitsingen. Die wirklich wichtigen Dinge vergisst man eben nie… 😉

Am Montag darauf haben wir dann auch bei uns Karneval gefeiert. Nach dem Frühstück haben wir die Kinder verkleidet und ich durfte allen die Gesichter bemalen. Dann wurde im Flur ein riesiger Stuhlkreis aufgebaut und ab ging die Fete! Die Schwestern kamen mit einem riesigen Korb voller Süßigkeiten, Knabbersachen und Saft vorbei, und dann haben wir mit den Kindern getanzt. Von Tschu-tschu-wa bis Hopa Hopa waren alle Klassiker der jungen Tanzfreunde vertreten. (Also ehrlich gesagt haben wir die gleichen 4 Lieder immer wieder gehört, weil die Kinder nur dazu tanzen wollten… 😀 ) Mein persönliches Highlight war allerdings Reise nach Jerusalem, oder „Musikalische Stühle“, wie es auf Rumänisch heißt. Das war wirklich zu niedlich.

Ja, und dann habe ich noch ein halbes Wochenende in Timișoara verbracht, wo ich mich mit einer anderen Freiwilligen getroffen habe, die dort mit den Jesuiten in einem Hospiz ihren Freiwilligendienst macht. Was anfangs nur als gemeinsames Mittagessen geplant war (es gab übrigens eine andere Banater Spezialität: Spätzle), artete aus in ein vierstündiges Gespräch, bei dem wir uns ganz intensiv über unsere bisherigen Erfahrungen in den Projekten, in Timișoara und mit den Rumänen im Allgemeinen ausgetauscht haben. Ich fand das Treffen wahnsinnig bereichernd und schön, zumal man ja auch nicht jeden Tag so weit weg von zu Hause jemanden aus der Heimat trifft (sie kommt nämlich aus Münster, das ist ja quasi bei mir um die Ecke). Wir verabschiedeten uns also mit dem festen Vorsatz, das Ganze in Bälde zu wiederholen, dann gingen wir unserer Wege: sie zu einer Veranstaltung und ich noch zu einem Einkaufsbummel durch die Stadt. Ich stelle doch fest, dass es mir nach einiger Zeit im eher beschaulich-ruhigen Caransebeș doch ab und zu mal ganz gut tut, ein bisschen rauszukommen und Stadtluft zu schnuppern. Es war also mal wieder ein richtig schöner Kurztrip nach Temeschwar!

Ansonsten waren die letzten Wochen gut gefüllt mit Arbeit: Der zweite Zwischenbericht musste geschrieben werden (wer es noch nicht getan hat, kann das Ergebnis hier lesen), und dann kam auch die offizielle Einladung zu meinem Zwischenseminar, das zusammen mit 12 anderen Freiwilligen, die überall hier im Balkanraum eingesetzt sind, in einem kleinen Ort in Serbien stattfinden sollte. Jeder von uns sollte einen Workshop von 1,5 bis 3 Stunden vorbereiten, wobei uns die Themenwahl vollkommen freigestellt war. Ich entschied mich für das Thema „Nachhaltigkeit und Minimalismus im Alltag“ und verbrachte viele Feierabende damit, zu unserem Konsumverhalten und möglichen Gegenentwürfen zu recherchieren, zu schreiben und eine Präsentation zusammen zu basteln. Außerdem musste die Anreise ins Nachbarland organisiert werden, und ich sprach mich mit einigen der Freiwilligen ab, gemeinsam über Belgrad anzureisen und sich dort einen Tag lang die Stadt anzusehen.

Der Tag der Abreise rückte näher, ich packte mit Schniefnase (wegen Erkältung) mein Köfferchen und dann… Platzte mir in der Nacht vor der Abreise das Trommelfell, und mir dröhnte so dermaßen der Schädel, dass an die Fahrt nicht zu denken war. Stattdessen fand ich mich mit Sr. Mariana in der Notaufnahme wieder, dem Ort, nach dem ich mich so ziemlich am allerwenigsten gesehnt habe. Aber dieses Mal ging alles recht fix, ein HNO hatte kaum einen Blick in mein Ohr geworfen, als er auch schon „akute Otitis“ sagte, und so wanderte ich also statt nach Serbien ab ins Bett, mit Antibiotikum, Ohrentropfen und dem festen Vorsatz, schnellstmöglich gesund zu werden.

Hat allerdings leider nicht so ganz geklappt. Trotz einwöchiger Bettruhe hänge ich noch in den Seilen, bin linksseitig recht taub und habe mich daher dazu entschlossen, das Zwischenseminar sausen lassen. Wie es nun weitergeht? Werden wir sehen. Jetzt stehen erst mal die drei „Ts“ an: Tee, Tabletten und total viele Filme… 😉

Bleibt gesund, lasst euch nicht von Corona in Panik versetzen und immer schön Hände waschen (20 Sekunden lang, also 1x Happy Birthday singen!).

Eure Nina

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