Surfen auf der Grippewelle

Mein letzter Lagebericht ist nun schon einige Wochen her, darum will ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben. (Es ist auch wieder ein Artikel zu Land und Leuten in Planung, aber für’s erste müsst ihr erst mal mit einem kurzen Update aus meinem Alltag leben.)

Auf Kuschelkurs mit Bazillenschleudern

Die letzten drei Wochen waren, wie man der Überschrift als geübter Detektiv schon entnehmen kann, geprägt von fiesen Viren. Grippe, Magen-Darm-Kotzeritis und Windpocken gingen im Kindergarten um, sodass teilweise von unseren 32 Kindern nur noch 8 kamen. Da wir aber seit genauso langer Zeit mit einer Erzieherin weniger auskommen müssen (die eine studiert nämlich noch und hat gerade Prüfungszeit), kam uns dieser Kinderschwund ehrlich gesagt ganz gelegen, denn ein kleineres Trüppchen ist doch viel leichter zu handeln. Trotz bazillenreichen Küsschen bin ich nach wie vor gesund (toi toi toi!) und surfe daher als eine der letzten Gesunden noch oben auf der Grippewelle. (Vielleicht hatte ich den Virus aber auch einfach schon über die Feiertage als ich krank war.)

Jedenfalls möchten auch die verbliebenen Kinder beschäftigt werden, was gerade bei Schietwetter manchmal gar keine so einfache Aufgabe ist. Und so kam es, dass ich mich zum ersten Mal hier so richtig nützlich gefühlt habe, und das hat mir unheimlich Auftrieb verliehen nach einem recht langen und anstrengenden Weihnachts- und Winterblues. (Dazu wann anders mehr.) Wir haben Höhlen gebaut, Plätzchen gebacken, neue Spiele erfunden, im Klassenraum geturnt, gemalt, gebastelt, gesungen, getanzt und Märchen gelesen und geschaut. Letzteres war vermutlich mein Favorit, zum einen weil dann mal für ein halbes Stündchen Ruhe in den Ameisenhaufen einkehrt, und zum anderen weil man dann so herrlich Kuscheln kann, denn gerade die kleinen Küken möchten dann unbedingt auf den Schoß, in den Arm oder zumindest mit dem Kopf auf meinen Beinen liegen. (Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das bequem ist, aber sollen sie mal ruhig machen.)

Höhle bauen
Zwei Künstler in ihrer blauen Phase.

Sieben Umarmungen braucht der Mensch am Tag, heißt es, denn sie mindern Stress, es werden Endorphine ausgeschüttet und das Immunsystem profitiert. (An dieser Stelle solltet ihr die Lektüre kurz unterbrechen und jemanden umarmen! Zur Not den Hund, oder das Kopfkissen…) Sieben Umarmungen am Tag – was in der MaZ-Vorbereitung mit all den lieben Mitfreiwilligen um mich herum wirklich einfach war (da hatte man die Umarmungen locker bis zum Frühstück zusammen 😉 ), gestaltet sich hier doch etwas schwieriger. Darum hüpft mein Herz umso mehr, wenn ein Kindchen einfach so sein Spiel unterbricht, zu mir läuft, mir kurz die Arme um den Hals schlingt und mich drückt, um dann wieder weiter zu spielen. Ja, und von diesen schönen Momenten gab es in den letzten Wochen einige, und das macht sich bemerkbar!

Eine ganz neue Erfahrung

Abgesehen von der Grippewelle gab es aber noch ein ganz einschneidendes Ereignis mit Wasser, und zwar die Taufe von meiner Kollegin Flory aus dem Kindergarten (bei Baptisten ist es üblich, erst im Erwachsenenalter getauft zu werden, wenn man selber in der Lage ist sich dafür oder dagegen zu entscheiden). Ich war sowohl zu der Feier in der Kirche als auch zum festlichen Essen danach eingeladen, zusammen mit den anderen Kolleginnen, und ich muss sagen, es war wirklich ein Erlebnis! So ein Gottesdienst bei den Baptisten ist ganz anders als bei den Katholiken. Zum einen gab es viel mehr Live-Musik, eine Sängerin nämlich, und zahlreiche Gemeindemitglieder die sich (mit oder ohne Instrumente) ebenfalls ans Mikro gestellt und gesungen haben. Für Musik bin ich ja ohnehin immer zu begeistern, weshalb mir das sehr gut gefallen hat und die drei Stunden gefühlt ungefähr genauso schnell vergingen wie eine Stunde bei den Katholiken. (Nur das mein Sitzfleisch etwas mehr strapaziert wurde.) Am Ende des Gottesdienstes wurde dann Flory – zu meiner absoluten Überraschung, wenn nicht sogar Schock – samt Kleidung komplett unter Wasser getaucht. So eine Taufe habe ich wirklich noch nie erlebt! Sobald sie wieder aus dem Wasser gehoben wurde, fingen alle Leute an zu singen, es war wirklich sehr feierlich und aufregend.

Danach gab es in einem Restaurant noch ein typisch rumänisches Festessen: Suppe, dann Sarmale mit Brot und Smântână, danach Friptură mit Kartoffeln und Weißkohlsalat und als krönender Abschluss (falls man in der Lage war, noch etwas zu essen) folgte Kuchen.

Mit dem Taufkind 🙂
Festessen nach dem Taufgottesdienst: Hier der dritte und vierte Gang, also Fleisch mit Kartoffeln und Kohl sowie Kuchen. Lecker!

Was sonst noch geschah

Da meine rumänische Freundin zum Glück wieder gesund ist, waren die letzten Wochenenden voll von schönen Unternehmungen. So ist zum Beispiel das Billiard spielen am Samstagabend nun schon zu einem kleinen Ritual geworden, gemeinsam mit ihrem Mann und einem weiteren Pärchen. Auch der ein oder andere Sonnenspaziergang, ob nun mit dieser Truppe, alleine oder mit einer Schwester war an jedem Wochenende drin (passenderweise war nämlich immer am Wochenende gutes Wetter!). Und gestern wurde ich spontan von den Leuten bei der Kinderhilfe zu einem Ausflug nach Gărâna (zu Deutsch: Weidenthal) eingeladen, von dem ich gerne wann anders noch mal etwas ausführlicher erzählen würde, da das mit den ganzen Fotos jetzt hier den Rahmen des Beitrags sprengen würde.

Ein Freudensprung im Schnee in Garana/ Weidenthal
Sonntagsspaziergang inkl. Snack-Pause im Park Teius

Nachdem also November, Dezember und Anfang Januar ziemlich ruhig waren, was mein Sozialleben und meine Freizeitgestaltung angeht, so kommt es nun langsam in Schwung, und ich bin momentan einfach nur wahnsinnig froh und dankbar über diesen Aufwärtstrend! 🙂

Ein kurzer Ausblick

Ich habe ja noch so einiges angekündigt für diesen Blog, und das habe ich auch nicht vergessen. Ein Interview mit Mietta und Cosmin von der Kinderhilfe steht unbedingt auf meiner To-Do-Liste, und auch von meinen Erfahrungen bei der Sozialstation möchte ich berichten, denn da durfte ich Anfang Januar an zwei Tagen die Kranken- und Altenpfleger bei ihrer Arbeit begleiten, was eine sehr eindrückliche Erfahrung war. Auch euren Wunsch nach einem Rundgang durch Caransebeș habe ich nicht vergessen, hier würde ich allerdings noch warten, bis es in der Stadt wieder ein bisschen grüner ist, damit ich dann ganz tolle Fotos machen kann. Als nächstes erwartet euch erst mal der zweite Zwischenbericht mit der Zusammenfassung vom 2. Quartal – habe ich aber auch noch nicht geschrieben. Und auch zum Thema Armut und was es mit Zigeunern hier in Rumänien auf sich hat habe ich noch viele offene Fragen, die ich gerne hier auf dem Blog beantworten möchte. Und dann steht Anfang März auch mein Zwischenseminar an, das in Serbien stattfinden wird und von dem es dann sicherlich auch so einiges zu berichten gibt.

Ich freue mich also, wenn ihr auch weiterhin mitlesen mögt und hoffe, dass ihr ein bisschen was Spannendes mitnehmen könnt über Land, Leute und die tolle soziale Arbeit, die die vielen guten Menschen hier leisten.

Falls ihr noch irgendwelche Fragen habt, lasst es mich gerne wissen. Ansonsten hören wir uns bald wieder!

Liebe Grüße,

Nina

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