Rumänen kriegen keine Gehirnerschütterung

Ich bin zwar nicht auf den Kopf gefallen… Aber weh tut’s trotzdem! So oder so ähnlich könnte die Überschrift für die vergangene Woche lauten.

Der ein oder andere von euch hat es schon mitbekommen, aber damit ich noch ein bisschen mehr Mitleid einheimsen kann, hänge ich es direkt noch mal an die große Glocke: Diese Woche habe ich mit Gehirnerschütterung in der Ecke gehangen. (Es ist auch noch nicht hundertprozentig wieder gut, deswegen schiebe ich sämtliche Schreibfehler provisorisch schon mal darauf, in Ordnung?)

Jetzt werdet ihr natürlich ganz besorgt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und euch fragen, wo ich um alles in der Welt dieses Mal vorgerannt bin. Ich kann euch beruhigen: ich war gänzlich unschuldig. Es handelte sich bei der Ursache um eine äußerst temperamentvolle Zusammenkunft der Stirn eines kleinen Jungen mit meinem Wangenknochen. Ich denke, in einem Kindergarten kann so etwas einfach mal vorkommen. Und während er einfach nur mit einem Schreck davongekommen ist, hat es bei mir im Kopf ziemlich gescheppert.

Nachdem Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit auch am nächsten Morgen noch nicht abgeklungen waren, bat ich die Schwestern, mit mir ins Krankenhaus zu fahren, da ich eine Gehirnerschütterung vermutete und gerne Schlimmeres wie ein gebrochenes Jochbein ausschließen wollte. Und sprachfreudig, wie ich nun mal bin, schrieb ich die Nachricht auf Rumänisch. Und bekam daraufhin einen sehr besorgten Anruf – denn der Ausdruck comoție cerebrală, den ich im Wörterbuch als Übersetzung für Gehirnerschütterung gefunden hatte, wird hier wohl nur für Schlaganfälle benutzt. Einen Ausdruck für Gehirnerschütterung gibt es bei den Rumänen nicht. Naja, jedenfalls konnten wir das Missverständnis schnell klären und dann ging es ins Krankenhaus. Ein CT, eine Spritze und ein paar Stunden später kam dann die erleichternde Diagnose: alles in Ordnung, nix gebrochen. Also ein paar Tage Bettruhe, dann sollte es wieder besser gehen.

Ich muss ehrlich gestehen: Spätestens im Krankenhaus habe ich meinen ersten kleinen Kulturschock erlebt. Man kam von der Straße durch eine unscheinbare Tür und stand schon direkt in der Notaufnahme. Privatsphäre? Gab es nicht. Jeder hat zu der Empfangsdame, dort an einem winzigen Tisch saß, sein Anliegen gesagt, und sie hat es meist noch mal laut wiederholt. In meinem Fall klang das dann ungefähr so:

„Weshalb sind sie hier?“

„Das Mädchen hat sich den Kopf gestoßen.“

„Den Kopf gestoßen?“

„Ja, ein Kind hat sie geschlagen. Es muss geröntgt werden.“

„Ein Kind hat sie geschlagen?“

„Ja.“

„Ja, dann setzten Sie sich da hin und warten Sie.“

„Es ist aber kein Stuhl mehr frei.“

„Dann bleiben Sie stehen.“

Auch was die Hygiene angeht, bin ich aus deutschen Krankenhäusern doch einen anderen Standard gewöhnt. Natürlich wurde die Nadel der Spritze nicht einfach an der Hose abgewischt und weiterverwendet, das war schon alles neu und steril. Aber die Auflagen auf den Betten wurden zwischen den (ambulanten und daher häufig wechselnden) Patienten zum Beispiel nicht gewechselt, und Trinkbecher nur mit der Hand und Leitungswasser ausgespült und dann weiterverwendet. Und so rein optisch hat mich das Gebäude an die Korridedore der Sporthalle an meiner alten Schule erinnert – bevor sie renoviert wurde!

Aber ein Krankenhaus muss ja zum Glück keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, und die Ärzte, die mich untersucht haben, haben einen kompetenten Eindruck auf mich gemacht, as ja die Hauptsache ist. Nichtsdestotrotz sind wir uns wohl alle einig wenn wir hoffen, dass diese Erfahrung eine einmalige bleibt.

Und zum Schluss noch ein kleiner Fun Fact, damit euer Gehirn auch ein bisschen durcheinandergewirbelt wird. Einige von euch können sich doch bestimmt noch an DEN Ohrwurm des Sommers 2004 erinnern: Dragostea din tei. (Maia-hiii Maia-hooo Maia-huuu Maia-haha!)

Ich habe mich schon immer gewundert, in welcher Sprache das Lied wohl gesungen wurde (aber mal eben schnell mit dem Smartphone Google befragen war 2004 ja noch nicht das Standardprozedere). Jedenfalls habe ich nun erfahren, dass es ein rumänisches Lied ist! 14 Wochen lang belegte es bei uns in Deutschland Platz 1 der Charts, und nicht nur bei uns wurde der Track rauf und runter gespielt, auch in England, Frankreich, den USA, ja, sogar bis nach Neuseeland und Süd-Korea ist der rumänische Funke übergesprungen! Zahlreiche Künstler haben den Song gecovert, unter anderem sogar Rihanna. Übersetzt heißt der Titel übrigens so viel wie „Liebe im Lindenbaum“…

Vrei să pleci dar nu mă, nu mă iei,
nu mă, nu mă iei, nu mă, nu mă, nu mă iei.
Chipul tău și dragostea din tei
mi-amintesc de ochii tăi.

Du willst gehen, aber du nimmst mich, nimmst mich nicht mit,
Nimmst mich, nimmst mich nicht, nimmst mich, nimmst mich, nimmst mich nicht mit.
Dein Gesicht und die Liebe im Lindenbaum
erinnern mich an deine Augen.

Ich fand es irgendwie interessant und hoffe, ihr könnt dieser Information auch etwas abgewinnen, und wenn es nur ein aufgefrischter Ohrwurm ist! 😀

Eine ganz zauberhafte Coverversion von dem Lied findet ihr übrigens hier:

MIRA – Dragostea din tei (externer Link zu Youtube Video)

Viel Spaß beim Hören und Mitsingen, und bis zum nächsten Beitrag!

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Rumäne sagt:

    Du hast es richtig ins Wörterbuch nachgeschaut: Gehirnerschütterung heißt auf Rumänisch tatsächlich ”comoție cerebrală”.

    Schlaganfall heißt auf Rumänisch ”atac cerebral” oder auch ”Accident Vascular Cerebral” (ACV).
    Schon amüsant, dass Du tatsächlich glauben konntest, im Rumänischen gäbe es keinen Begriff für Gehirnerschütterung.

    Habe Deine Berichte sehr geschätzt, mach weiter so und Ohren steif halten !

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    1. ninagarafall sagt:

      Danke für den Hinweis! Die rumänischen Schwestern sagten mir, der Begriff würde hier für „Schlaganfall“ verwendet. Vielleicht ist das eine der sprachlichen Eigenheiten des Banats? Vielen Dank auf jeden Fall für die Aufklärung und das Lob, ich freue mich!
      Liebe Grüße, Nina

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