In der Stadt der Blumen (Teil 1/3)

Im ersten Teil dieser kleinen Reihe nehme ich euch mit auf einen Spaziergang durch Timişoara.

Timişoara wird auch „die Stadt der Blumen“ genannt – zu Recht, wie ich finde. Egal ob an Brückengeländern, entlang von Treppenstufen oder in großen Kübeln am Straßenrand, überall blüht es. Überhaupt empfinde ich die Stadt als ungewöhnlich grün für eine Großstadt, noch dazu im heißen August. Wenn ich entlang des Bega-Kanals spaziere, kann ich mühelos von einer Parkanlage in die nächste gelangen und dabei fast vergessen, dass ich mich in einer Stadt mit 300.000 Einwohnern befinde. Damit man das Grün auch entsprechend genießen kann, sind an fast jeder Ecke Sitzgelegenheiten zu finden. Ich nenne Timişoara daher auch liebevoll: „die Stadt der Bänke“. Auf meinen Streifzügen durch die Stadt konnte ich davon schon so manches Mal profitieren.

  • Bepflanzte Blumenkübel im Zentrum
  • Auch in den Blumenkästen blüht es
  • Blühenden Hibiskus sieht man hier überall
  • Grüner Spazierweg am Bega-Kanal

Apropos Streifzüge: Jetzt erzähle ich euch auch ein bisschen mehr über Rumäniens drittgrößte Stadt. Man nehme eine Prise Dresdner Barock, füge etwas Prager Jugendstil hinzu und ergänze um einen Löffel Wiener Historismus. Nun kräftig mit italienisch-spanischem Flair würzen und das Ganze mit einem großzügigen Schuss rumänischem Charakter abschmecken – voilá, heraus kommt Timişoara! Egal wohin ich schaue, überall gibt es was zu entdecken. Kunstvolle Balustraden und verzierte Fassaden, verschlungene Gitter an Fenstern und Balkons, malerische Gässchen, pompöse Pforten, Statuen… Schon an den ersten Tagen habe ich genug geknipst um ein ganzes Fotobuch zu füllen.

  • Die warmen Farben erinnern mich an Italien.

Aber jetzt genug erzählt, ich nehme euch mit auf einen meiner Streifzüge! Wir starten bei den Maltesern im Stadtteil Iosefin (Josephstadt). Iosefin entstand ab den 1750er Jahren und wurde, weil dort damals hauptsächlich Deutsche lebten, auch „die Teutsche Vorstadt“ genannt. (Wie passend, dass ich nun hier untergebracht bin, oder?)

Die Sozialstation der Malteser liegt im neueren Teil Iosefins, doch wenn wir nun den Bega-Kanal überqueren, gelangen wir in den historischen Kern des Stadtteils. Prunkvolles Herzstück ist, zumindest in meinen Augen, die orthodoxe Kirche an der Piaţa (/piatza/) Alexandru Mocioni. Auf den ersten Blick denke ich, es handle sich um eine Moschee mit Minarett, und die Stimme, die ich höre, gehöre zum Muezzin. Doch wenn wir die Straße überqueren und näher kommen, erkennen wir die Kreuze und die christlichen Motive des Mosaiks, das die Fassade schmückt. Es ist Sonntag, und drinnen findet gerade eine Messe statt. Die Stimme gehört zu dem Priester, den man dank Mikrofon und offener Tür auch draußen noch hört. Vor dem Eingang stehen etliche Kirchgänger. Vielleicht ist drinnen alles voll? Sie lauschen andächtig, einige knien sogar auf dem harten Steinboden.

  • Eine wunderschöne Häuserzeile in Iosefin
  • Die orthodoxe Kirche an der Piata Alexandru Mocioni

Wir gehen weiter und betreten einen Park am Ufer des Bega-Kanals, den Parcul Alpinet. Im Schatten zu laufen, ist doch ganz angenehm, nu-i aşa (/nui ascha/, ist es nicht so)? Bei der nächsten Brücke wechseln wir auf die andere Uferseite. Nun sind wir schon in dem Teil der Stadt, der zur Cetate, also zur Innenstadt gehört. Bevor wir uns dem Stadtzentrum zuwenden, möchte ich euch aber noch eine weitere grüne Oase zeigen: den Parcul Rozelor, den Rosengarten. Timişoara war schon im 19. Jahrhundert für seine Rosenzucht berühmt, daher ist das doch wohl einen Abstecher wert. Als wir ankommen müssen wir allerdings leider feststellen, dass die heiße Augustsonne es nicht besonders gut mit den Rosen gemeint hat. Merken wir uns das also für einen möglichen weiteren Besuch im Frühling vor.

  • Parcul Alpinet, im Hintergrund der Bega-Kanal
  • Dem Parcul Rozelor hat die Hitze ziemlich zugesetzt
  • Aber einzelne Rosen schlagen sich tapfer!

Wir verlassen den Rosengarten und gehen nördlich in Richtung Zentrum. Durch einen weiteren Park und ein paar malerische Straßen gelangen wir schließlich zur Piaţa Unirii, dem Domplatz. Hier finden wir die größte Ansammlung barocker Gebäude in der ganzen Stadt: unter anderem den römisch-katholischen Dom St. Georg, die serbisch-orthodoxe Christi-Himmelfahrts-Kathedrale und der Barockpalais, der heute als Kunstmuseum dient. Um diese Uhrzeit am frühen Morgen ist der Platz noch leer, doch am Abend brummt hier das Leben.

  • Die serbisch-orthodoxe Kathedrale (das weiße Gebäude und das zart gelbe daneben)
  • Links im Bild: der Barockpalast
  • Der Domplatz am Abend

Vom Domplatz kommen wir durch ein paar Seitenstraßen zur Synagoge der Innenstadt. Wer die Mezquita in Córdoba oder die spanische Synagoge in Prag kennt, wird sich nun vielleicht daran erinnert fühlen, denn die Synagoge wurde mit maurischen Stilelementen erbaut. Heutzutage wird sie allerdings als kulturelles Veranstaltungszentrum genutzt und ist momentan hinter einem Baugerüst verborgen. Davon sehen wir auf unserem Streifzug viele. Vielleicht ist das schon das Jahr 2021, das seine Schatten voraus wirft? Denn dann wird Timişoara Europäische Kulturhauptstadt sein. Die Vorbereitungen scheinen bereits in vollem Gange zu sein.

  • Die maurisch anmutende Synagoge

Aber gut, wir wollen weiter gehen und setzen unseren Spaziergang in Richtung Süden fort. Nun erreichen wir die Piaţa Libertaţii, den Freiheitsplatz und ältesten Platz der Stadt. In den Jahren 2014/15 wurde der Platz komplett umgestaltet. Ich weiß nicht, wie es vorher aussah, aber mir gefällt es jetzt ganz gut. Im Schatten der jungen Bäume, die den Platz einrahmen, ist ein idealer Platz für uns frei geworden, Zeit für ein zweites Frühstück!

Pause auf dem Freiheitsplatz
Pause auf dem Freiheitsplatz

Hier endet der erste Teil unseres Streifzugs! Nächste Woche gibt es den zweiten Teil.

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